Frittenbude
Eine simple Frage zu Beginn: Woran denkst du bei dem Wort „Frittenbude“? Vielleicht an eine ältere Frau im Kittel, die Currywurst und Pommes verkauft. Und das ist auch ein schönes Bild! Vielleicht aber auch an eine Band, die mit ihrer lebenslustigen Rebellion seit nunmehr 13 Jahren gegen die Erkenntnis ankämpft, dass das Leben nicht immer schön ist und dennoch zelebriert gehört. Widersprüchlich und immer fragend, süchtig nach Leben und der Sucht an sich, einvernehmlich unzufrieden mit den herrschenden Zuständen und dennoch latent glücklich. Das nun erscheinende Ergebnis dieser 13 Jahre und eines gemeinsamen Sommers im Studio heißt „Rote Sonne“ und ist ein Album, welches die angesprochenen Widersprüche der Band perfekt einfängt und wiedergibt: Mal kryptisch, mal plakativ ziehen sich die Texte des Sängers Johannes Rögner durch das stimmige aber experimentierfreudige Soundbild von Martin Steer und Jakob Häglsperger. Wut trifft auf Liebe, Sucht auf Klarheit und Aggression auf Lässigkeit. Denn zu wissen, dass man kämpfen muss, führt nicht automatisch zu Bitterkeit. Selten hat man dieses Lebensgefühl so deutlich gespürt wie auf ihrem neuen Album „Rote Sonne“.
Aus den Jungs, die ihr erstes von inzwischen fünf Alben im eigenen Jugendzimmer produzierten, sich durch die Jugendzentren und Clubs des Landes spielten und sich immer lieber den Höhen und Tiefen statt der Monotonie hingegeben haben, ist eine Band geworden, die trotz des jahrelangen Hypes zu ihren Überzeugungen steht: DIY, Haltung beweisen und kein Applaus für Scheiße. Nicht gerade die schlechtesten Prinzipien in dieser Musikwelt.

Egotronic
20 Jahre Egotronic – Nie am Abgrund, immer drüber!
Egotronic ist unermüdlich. Egotronic ist nicht kaputt zu kriegen. Diese Band hat schon immer bewiesen, dass sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Nie am Abgrund, immer drüber!
Vieles wurde versucht, heraus kam Stresz hoch zwanzig. Und der immerwährende Wahnsinn auf Livekonzerten!
20 Jahre Bandgeschichte und mit „Stresz“ nun das 10te Album. Was geht denn eigentlich ab?
Es ist doch so, niemand sitzt irgendwann da und denkt bei sich: Hätte ich doch mehr gearbeitet, mich mehr geschunden, meinen Teil zum Kapitalismus beigetragen. Sollte es doch eine leise Stimme irgendwo in Dir geben, die das sagt…Hör nicht auf sie! Denn wer flüstert, lügt. Egotronic schreien. Sehr laut. Diese Band ist deine Entschuldigung morgen blau zu machen. Folge deinem partysüchtigen Kopf. Suche den Stresz. Egotronic forever.

Akne Kid Joe
AKNE KID JOE sind der picklige kleine Scheißer aus der ersten Reihe und allergisch auf voll viel, v.A. auf „Summer of 69“ von Bryan Adams. Mukke zwischen dilettantischem Schrammelpunk, NDW und Classic-Rock. Textlich zwischen Kartoffelstampfer, Shitstorm und Traumabewältigung.
Nach der Bandgründung im Winter 2016 war sich das Nürnberger Quartett einig: erstmal 1,5 Jahre proben bevor man sich auf eine Bühne traut. Durch Zufall aber wurde ein Handymitschnitt aus der ersten Probe zum viralen Erfolg und die Band konnte dem Druck des Marktes nicht länger standhalten. Völlig größenwahnsinnig veröffentlichten die Dilettantenpunks ihre Debut-EP „haste nich gesehn!“ am Tag des ersten Konzertes der Bandgeschichte im April 2017.
Im Herbst 2018 folgte der erste Long-Player „Karate Kid Joe“ via Kidnap Music. In diesem musikgewordenen schlechten Wortspiel in trashiger Fernost- Optik wurden diverse Feindbildstereotype (Kartoffeln, Hippies, Poetry Slam) der Reihe nach abgeackert.
Dutzende Konzerte – von Hinterland-AZ bis Großraumdiskothek – später, releasten AKJ im April 2020 mit „Die große Palmöllüge“ ihr Album Numero 2. Das bunte Potpourri aus Vaterlandsverrat, Verschwörungstheorie, Saufen & Liebeskummer wurde von Fanzine bis Feuilleton beklatscht und schaffte es sogar in die Top 30 der deutschen Albumcharts lol.
Live können AKNE KID JOE vor allem eines: mit dem Mittelfinger auf andere zeigen. 70% Wut, 20% Sarkasmus & 10% Pyrotechnik. Insgesamt macht das aber auch total Spaß und man kann mitgrölen, tanzen und am Ende auch mit seinem Mittelfinger auf andere zeigen.
AKJ sind die Antithese zur großen Deutschrock-Geste, der Biss in die Wade der Bequemlichkeit and after all…
… they ́re your wonderwall <3
PS: Das sagt der Bierschinken dazu: „Auf AKNE KID JOE hatte ich richtig Bock. Eigentlich können die nicht viel, aber das wird zusammen so gut in Harmonie gesetzt, dass ich ihnen eine gewisse Genialität unterstelle.“

Die Sauna
Die Sauna sind die Band, die man am wenigsten erwartet hat. Wo eben noch die real existierende Folklore herrschte, spielt eine Gruppe junger Männer unerbittlich gegen den Bierkampf und alle bayrischen Klischees, die einem durch den Kopf gehen mögen, an. Gegen das Tageslicht setzen sie kaltes Neonlicht. Glamour gegen die Norm. Lange Schatten und tiefe Blicke kommen aus dieser Gegenwelt. Die Texte von DIE SAUNA sind abwegig und doch naheliegend, mal Existentialismus aus der Westentasche, mal Taschenuniversum im Alltäglichen. Die Anwesenheit konkreten Zweifels, so vage er auch sein mag. Die Sauna hat keine Antworten, aber Fragen, die schwarze Löcher ins Kaiserwetter reißen. Auf dem ausgerollten Klangteppich liegen Satzfetzen wie Stolpersteine, die den Eskapismus, den die Musik heraufbeschwört immer wieder unterbrechen mit Momenten die vielleicht das widerspiegeln, was man spürt, wenn man benebelt von der Tanzfläche in dem überfüllten Club auf die Toilette geht, im Spiegel entfremdet sein Gesicht erblickt und dabei nichts verspürt als Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Der Versuch der Selbstreflektion gerät vor diesem Spiegel ins Stocken: „Wer bin ich?“ - „Erzähl mir wer Du bist!“
Nach der 2017 erschienenen Debüt-EP »Elektra« und Shows mit u.a. Wanda und Tocotronic, servieren uns die Indie-Freigeister in 2019 ihr Debütalbum. Es geht um Konflikte, die jeder kennt, aber noch kaum eine Band so packend vertont hat wie Die Sauna, um Party, Rausch, Kontrollverlust. Der Übergang von Emotion zu Emotion, von Verletzlichkeit zu Aggressivität, vom Realen ins Fiktive, von Staub zu Schweiß und wieder zurück ist fließend.