Niels Frevert
Wenn im Club nach dem Konzert oder der Party die Neonröhren angehen und brutal auf alles scheinen, was nach dem Fest noch übrig ist, damit ein paar Tapfere den Dreck wegmachen und alles wieder einstöpseln können – das ist das Putzlicht. Im Putzlicht sieht nichts mehr schön aus. Im Putzlicht gibt’s kein Verstecken. Putzlicht tut weh. Bei Niels Frevert aber wird der luminöse Katerzustand zum Synonym für’s Weiter, für Wandel, Transformation und den Sieg über all den Scheiß, durch den wir uns ständig wühlen auf der Suche nach Glück. Davon handelt sein neues Album. Es ist sein bisher bestes – eine Neuerfindung, ein Geschenk und ein künstlerischer Triumph.
Niels Freverts sechstes Album ist einer dieser seltenen Glücksfälle, wenn ein Musiker an den Nullpunkt kommt, sich und seine Kunst neu erfinden muss und dabei etwas erschafft, das wie das Protokoll seiner Transformation und Auferstehung wirkt und von universeller Bedeutung ist. Alles, was Niels Frevert ausmacht, der Kern seiner Kunst, ist hier kondensiert zu etwas Neuem, Erhabenem von dunkel schimmerndem Glanz. Der ewige Geheimtipp und Kritikerliebling erstrahlt im Putzlicht heller denn je.

KAFFKIEZ
Kaffkiez: 5 Jungs aus Ecken dieses Landes, in denen mehr Wälder als Häuser stehen, rollen mit fiebrigem Indie-Rock und mitreißend handgemachten Sounds, unpolierter Direktheit der Texte und der wunderbar aussagekräftigen Reibeisenstimme von Frontmann Johannes auf Musikdeutschland zu. Sie machen einfach weiter das, was sie all die Jahre vorher auch schon gemacht haben, Musik. Nur jetzt mit einem Namen: KAFF – eine Hommage an den Arsch der Welt, von dem sie nunmal alle herkommen. KIEZ – wo die Reise hingehen soll: Raus aus dem Kaff, rein in die junge, bunte Musikszene der großstädtischen Kieze.

Antje Schomaker
Dort wo auf dem Debüt noch viel Raum für Akustik geschaffen wurde, fordern jetzt Synthies mit jedem Akkord zum Aufspringen, Tanzen und Losrennen auf. Wenn Antje im Kontext ihres anstehenden Projekts über das Loslassen spricht, dann beschreibt sie die Zeit zwischen Debüt und dem Jetzt als das für sie persönlich größte Loslassen. Denn das Freikämpfen aus Beziehungen und Umständen, findet seine logische Fortsetzung im ständigen Hinterfragen der eigenen Denkmuster und Privilegien und wenn die aktuellen, politischen Debatten eines einfordern, dann das Erkennen und Loslösen von ewigen Gewohnheiten. Seine Denkmuster immer wieder auf den Kopf zu stellen, bedeutet für Schomaker in letzter Konsequenz also auch zu erkennen, dass man trotz all der politischen Sozialisation und dem fast schon angeborenen Bewusstsein für Umwelt, seine sicher geglaubte Aufgeklärtheit immer wieder hinterfragen muss. Da wo aus Hinterfragen neue Eingeständnisse erwachsen, trommelt Antje MusikerInnen und AktivistInnen aus ihrem Umfeld zusammen, um jüngst das „Social Sofa Festival“ zu initiieren. Wie können KünstlerInnen und Fans gleichermaßen für das Nicht-Vergessen der Zustände an den europäischen Außengrenzen sorgen, während zeitgleich eine Pandemie den Alltag aller auf den Kopf stellt? Ein digitales Zusammenkommen zwischen Konzerten und konstruktiven Gesprächen entsteht, in immer wieder neuen Auflagen des Festivals werden unter dem Motto #leavenoonebehind Spenden für die zivile Seenotrettung generiert. Ein Herzensprojekt, das seinen Platz inmitten all der musikalischen und persönlichen Weiterentwicklung gefunden hat, vielleicht sogar aus all dem resultiert ist. Denn mit „Verschwendete Zeit“ läutet die Künstlerin nicht nur einen neuen, vielversprechenden musikalischen Abschnitt ein, sondern stellt auch eine Schomaker vor, die immer wieder in die Verhandlung mit der eigenen Verantwortung geht – Festgehalten wird nur am Loslassen.

The Day
Träumerisch anmutender Dream-Pop trifft auf einen von Hardcore gelernten und gelebten DIY-Ethos. Karge, federnde und entrückende Dynamik wechselt sich mit einer wild träumenden Harmonik ab, Rock und Synthies schaffen ebenso anregende Kontraste wie abendkühle, reduzierte Postpunk Referenzen. Daran schließen sich Thematiken an, die Privates und Politisches genausooft verbinden wie gegenüberstellen. The Day spielen eine Musik, die sich in ihrem Eskapismus der Utopie genauso zuneigt wie einer gepflegten Schwermütigkeit und sich so gegen allzu festgelegte Deutungszusammenhänge verwehrt. The Day ist vor allem eine internationale Fernbeziehungskonstellation, ein fast schon feierlich ausgedrückter paneuropäischer Gedanke der Vereinigung (der gerade in diesen Monaten nicht zu oft betont werden kann).